Menü überspringen

1797: Mobilisierung der Landsturmgruppen

Als Anfang 1797 französische Truppen in Tirol einzumarschieren drohten, wurden die Landsturmgruppen mobilisiert. Anton Reinisch führte 500 Mann aus dem Gericht Rettenberg an. Seine Männer waren mit primitiven Waffen wie Gabeln, Hacken, Morgensternen, Spießen, Hellebarden, zweischneidigen Sensen (vom Sensenmeister selbst angefertigt) und teilweise mit Gewehren ausgestattet. Major Philipp von Wörndle hatte das Gesamtkomando und führte alle Tiroler Landsturmgruppen nach Sterzing.

Am 1. April stiegen die Rettenberger zum Valser Joch auf, das sie nach großen Anstrengungen am Morgen des 2. April erreichten. Es war ihnen aber keine Ruhe vergönnt. Da am Vormittag bereits eine Vorhut die Franzosen oberhalb von Spinges angegriffen hatte. Die Kampfeshandlungen dauerten bis in den Nachmittag, wobei die Franzosen die größeren Verluste hinnehmen mußten. Mangels an Munition kämpften die Landsturmgruppen Mann gegen Mann und rissen mit ihren furchtbaren Waffen und angetrieben von einer argen Wut auf den Feind, große Lücken in die feindlichen Kolonnen. Als am Nachmittag die Kampfesmoral der Landsturmgruppen nach vielen Angriffswellen nachließ, erkannte Anton Reinisch der Sensenschmied von Volders diese Gefahr. Er stürzte sich mit dem Ruf Mir nach Brüder mit seiner zweischneidigen Sense den Franzosen entgegen und mähte 15 Mann nieder, bevor er selbst von 11 Bajonetten durchbohrt, tot zu Boden sank. So angetrieben drangen die tapferen Landstürmer tief in die feindliche Linie vor und zwangen die Franzosen zur Flucht.

Zwanzig Tote und 25 Verwundete hatten die Rettenberger zu beklagen. Ein Großteil der Toten wurde an der Friedhofsmauer der Pfarrkirche von Spinges in einem Massengrab beigesetzt. Die Verwundeten wurden von ihren Kameraden über das Joch zrück nach Sterzing und weiter nach Volders gebracht. Von Anton Reinisch wurde das Leibröckl, der Wettermantel sowie die Pantronentasche von Freunden und Nachbarn in die Heimat gebracht.

Die Franzosen zogen sich nach Kärnten zurück und am 17. Oktober 1797 wurde der Friedensvertrag von Campo Formio bei Udine geschlossen.

Kaiser Franz belohnte die Treue der Tiroler indem er vielen von Ihnen die kleine Ehrenmedaille und den Kindern von Anton Reinisch sowie dem Rastbichler Bauern Josef Angerer von Großvolderberg die große Ehrenmedaille verlieh. Zum Gedenken an diese Schlacht wurde in Spinges ein großes Marmorkreuz errichtet, auf dem die Namen der hervorstechendsten Helden eingraviert sind u a. der von Anton Reinisch.